Meine Rolle: Solo UX/UI-Designer in einem cross-funktionalem Team
Leistungen: User-Research, UX-Audit, Daten-Analyse, UX, UI, IxD, Motion, Governance
Tool-Stack: Adobe XD, ProtoPi, Overflow, Jira, Confluence, Slack
Plattform: Native Mobile-App (iOS / Android)
Arbeitgeber: PXL Vision AG
Zeitraum: 6 Monate, Okt. – März 2019
Identitätsprüfung in 30 Sekunden – durch radikale Klarheit
Die DAEGO-App ermöglicht die Identitätsverifikation unter 30 Sekunden und vereinfacht heute das Onboarding für Banken und regulierte Unternehmen wie: Cembra Money Bank, Banque Cantonale Vaudoise, Swisscom, Groupe Mutel, SwissLife.
Durch gezielte Komplexitätsreduktion, kontextbasierte Benutzerführung und Echtzeit-Feedback steigerten wir die erfolgreichen Task-Completions um 23% und reduzierten den Error-Abbruch um 56%. Weniger Schritte. Mehr Klarheit. Messbarer Impact.
Kern-Shift: Wir dachten, die Aufgabe sei intuitiv. Tests zeigten: Sie war es für die meisten User nicht.
3 Min. Lektüre
Wie wir die Probleme lösten
Drei Herausforderungen, drei Durchbrüche
Einfach ist nicht immer leicht – und genau das ist das Problem.
Wir hielten die Aufgabe für simpel. Die User verhielten sich anders. Tests zeigten: Motorik, kognitive Verarbeitung und mentale Modelle wurden gleichzeitig belastet. Also gingen wir tiefer. Beobachteten, wie Menschen die Aufgabe angehen. Dann brachten wir die Steuerung dorthin, wo sie gebraucht wird – handhabbar, kontextbasiert, gezielt, ohne Umwege. Keine Video-Tutorials, die niemand schaut.
Stattdessen: Guidance im richtigen Moment. Das Ergebnis: +23% erfolgreiche Task-Completions. −56% Error-Abbruch. Klarheit schlägt Komplexität. Immer.
Komplexität ist nicht das Problem. Die falsche Komplexität ist es.
Die User waren überfordert. Nicht weil die Aufgabe schwer war – sondern weil wir zu viel von ihnen verlangten. Wir wendeten Teslers Law an und fragten: Was müssen Menschen wirklich tun? Und was kann das System übernehmen? Die Antwort war klar: Wir warfen Ballast ab. Eliminierten redundante Informationen. Verschieben problematische Entscheidungen vom User auf das System.
Ergebnis: 36% schnellere Task-Completion. Nicht durch mehr Features. Durch weniger Reibung.
Fehler passieren. Die Frage ist: Wie kommen User wieder raus?
Vielfältige Fehlerquellen. Menschlich, systemisch, netzwerkbedingt. Unvorhersehbar. Wir beobachteten, analysierten und erkannten Muster. Dann bauten wir Echtzeit-Computer-Vision-Feedback ein – sofortig, klar, lösungsorientiert. Keine kryptischen Fehlermeldungen. Keine Sackgassen.
Stattdessen: klare Auswege −56% Error-Abbrüche. Denn der beste Fehler ist einer, aus dem man ohne Drama herauskommt.
Methodenhinweis
Zur Entwicklung von Daego V2.0 wurden User-Interviews (n=12) zu Daego V1.4 als Research-Grundlage genutzt. Die Metriken basieren auf internen unmoderierten, teils gefilmten A/B-Tests V1.8/V2.1 – Selfie- und Dokumenten-Verifikation in zwei Testrunden (n=7), inkl. Fragebogen und strukturierter Auswertung. Baseline: Vergleich der Abbruchraten und Task-Completion-Zeiten zwischen Testgruppen (A/B). Kein automatisches Tracking – Messung durch Beobachtung und Auswertung im kontrollierten Test-Setting.
Final Designs
Ein System ohne Fragezeichen
Vorher DEAGO Version 1.4
Nacher DEAGO Version 2.4
Navigation
Die Navigation ermöglicht das Überprüfen, Bearbeiten und Erstellen neuer Identitäten und Dokumente sowie den Zugriff auf App-Einstellungen und Informationen.
Identifikationsprozesse
Der Kern der App: mehrere Sicherheitschecks am Selfie und am Dokument, die nahtlos in den Identitätsverifikations-Flow integriert sind.
Selfie-Verifikation
Dokumenten-Verifikation
Echtzeit-Computer-Vision-Feedback und Fehlerbehandlung
Sofortiges Computer-Vision-Feedback und kontextuelles Fehler-Feedback
Woran wir sonst noch gearbeitet haben
- Unübersichtliche und irreführende Navigation der App
- Entwicklung von Interaktionen zum Scannen von Sicherheitsmerkmalen wie Hologrammen und Lenticulars, sowie unterschiedlichster Dokumente
- Integration des NFC-Readers, inkl. nativer OS-Einschränkungen und User-Guidance
- Aufbau eines Governance-Frameworks (Kontext, Signale, Filter) für bessere Design-Entscheidungen.
- Entwicklung des applikübergreifenden PXL-Design-Systems sowie der PXL-Website, Daego-App Legacy/ Version 2 (Android/iOS), Daego Progressive-Web-App, Manual-Checker & ML-Annotation-Tool sowie der SaaS-Plattform (React und Integration in SAP- und Microsoft-Systeme).
Key Learnings
Was dieses Projekt mich gelehrt hat
Design-Reife ist nicht selbstverständlich
Als Solo-Designer kämpfte ich für jede Design-Entscheidung – ohne den Rückhalt eines etablierten Prozesses. Stakeholder-Edukation schmerzt mehr als Pixel-Pushing. Was half: Quick-Wins, die beweisen, dass UX Impact schafft. Dann leichtgewichtige Methoden und synthetisierte Workshop-Erkenntnisse schrittweise in dauerhafte Grundlagen umwandeln.
Strategischen Wandel systemweit führen
Der Schmerz war nicht technisch – sondern organisatorischer Widerstand gegen Veränderung. Der Wechsel von Native App zu PWA und SDK bedeutete, Skeptiker zu überzeugen und gleichzeitig die User im Zentrum zu behalten. Was funktionierte: frühzeitig Wertschöpfung zeigen, auf Basis von Daten und Feedback iterieren.
Cross-funktionale Zusammenarbeit koordinieren
Zeitzonenchaos, konkurrierende Prioritäten und Projekte sowie technik- beziehungsweise businesslastige Stakeholder machten Alignment brutal. Was mich rettete: Entscheidungen überdokumentieren, ein gemeinsames Vokabular schaffen und asynchrone Einschränkungen durch proaktive Kommunikation – über Slack-Updates, Kollaborations-Tools (z.B. Overflow) und den Aufbau eines dokumentierten Jira- und Confluence-Systems – in Vorteile verwandeln.
Warum das noch zählt
Für Fehler designen heisst: für Menschen designen
Unsere Annahmen als Designer liegen oft weit von der Realität der User entfernt. Was für uns einfach erscheint heisst nicht immer leicht für den User. Fehler passieren – menschlich, technisch, systemisch. Immer. Was zählt: Sie antizipieren. Klare Auswege bauen. Kein Drama, keine Sackgasse. Das ist keine Methode. Das ist Haltung.
Danke fürs Lesen
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