Wie Visual-Design von Handarbeit zu Systemarbeit wurde
Was mit Pinsel, Stift, Sprühdose, Papier, Pape, Holz und Wände begann läuft heute durch Pixel, Prompts, Templates und KI-Workflows. Visual-Design wurde zu meiner Sprache: roh genug für die Strasse, präzis genug für Marken-Systeme, schnell genug für Social-Media-Produktionen.
Design ist nicht meine Signatur. Es ist ein Dienst: Ein Dialog, in dem die Vision eines Kunden Stil bekommt — und Stil skalierbar wird.
AI-generierte Experimente
Wenn Prompts lecken und Bilder plötzlich leben
Der aktuelle KI-Hype verspricht viel und behauptet alles ist möglich. Klingt gut. War es nicht.
Ungewöhnliche Prompts kippten bei vielen Bildgeneratoren schnell in Klischees. Oder sie liefen aus. Körper wurden seltsam, Oberflächen zu glatt, Details zu unrealistischr für das, was eigentlich gesucht war. Also entstand ein Ping-Pong zwischen Midjourney und Photoshop: prompten, brechen, reparieren, wieder prompten, wieder brechen.
Und dann.
Plötzlich lagen Bilder auf dem Tisch, die nicht geplant waren. Nicht exakt meine Idee. Aber lebendig. Bilder mit einer Reibung, die man nicht sauber briefen kann.
KI folgte mir nicht. Sie widersprach — und genau dort wurde es interessant.
Auf gefrorenen Wellen reiten
Brand-Identity-Refresh
Vom Logo zum lebendigen System
Die Reibung
Eine Marke fühlte sich statisch an. Nicht kaputt. Schlimmer: Sie funktionierte irgendwie — aber ohne Spannung. Ein neues Logo hätte das Problem nur sauberer verpackt.
Die Arbeit
Also ging es nicht um eine kosmetische Korrektur, sondern um eine visuelle Sprache, die sich bewegen kann: über Print, Digital, Social, Präsentationen und kleine Alltagsflächen hinweg. Farbe, Typografie, Bildlogik, Layout-Rhythmus. Nicht als starres Regelwerk, sondern als System mit Gelenken.
Das Ergebnis
Eine modulare Identity, die wachsen kann, ohne bei jeder Anwendung neu erfunden zu werden. Klar genug für Templates. Stark genug für Kampagnen. Offen genug, damit Menschen damit arbeiten können, ohne bei jedem Format zuerst das Brand-Manual um Erlaubnis zu fragen.
Social-Media-Systeme
Social skalieren, ohne die Seele aus der Marke zu bügeln
Bei Xeit liefen mehrere Kunden parallel: Got2Be, Bell, ZKB, Caotina, Ovomaltine, EWZ. Viele Marken. Viele Stimmen. Viele Freigaben. Und natürlich immer dieses kleine Detail: Social-Media wartet nicht, bis alle Stakeholder innerlich bereit sind.
Die Reibung lag nicht im einzelnen Post. Sie lag im System dahinter: kurze Timelines, Foto- und Filmproduktionen, Tagesaktualität, Abstimmungen in mehreren Sprachen, Assets, die heute gebraucht wurden — nicht nächste Woche.
Wir bauten deshalb Workflows, Asset-Bibliotheken und Templates, die Geschwindigkeit möglich machten, ohne jede Marke gleich klingen zu lassen. Struktur wurde nicht zur Bremse. Sie wurde zum Geländer.
Struktur machte aus Chaos Klarheit — und aus Klarheit Vertrauen.
Ovomaltine Social-Media
Schnell, verspielt, konsistent: Ovomaltine über mehrere Kanäle führen
Ovomaltine brauchte viele Posts in drei Sprachen — mit einem Stil, der nicht bei jedem Sujet wieder neu erfunden werden durfte. Wir definierten visuelle Regeln, bauten eine Asset-Bibliothek mit Illustrator-Templates und setzten Workflows auf, die Produktion beschleunigten, ohne den Ton der Marke zu verlieren.
Das klingt nach Ordnung. War es auch. Aber eine Ordnung, die leben musste: Charakter-Moods, saisonale Sujets, Animationen, Textvarianten, Freigaben. Alles musste schnell genug sein für Social und genau genug für die Marke.
Konsistenz verwandelte Geschwindigkeit in Vertrauen — und Vertrauen in Engagement.

2016–2019
Meine Rolle: Lead Digital Designer
Leistungen: Art-Direction, Grafik-Design, Artwork, Animation, Fotografie, Projekt-Management
Orange – Transformation
Wie Guidelines zu einer lebendigen Marke wurden
Die Frage
Wie erreicht man alle Mitarbeitenden — vom Office bis zum Shopfloor — mit einer Multimedia-Plattform, die nicht nach Regelwerk riecht, sondern nach Marke?
Orange wollte als «the human telco» spürbar werden. Nicht nur in der Werbung. Auch intern. Auch dort, wo Guidelines sonst wie PDF-Beton wirken.
Die Arbeit
Wir entwickelten ein gedrucktes und digitales E-Flipbook, das Markenrichtlinien greifbar machte: verspielt, warm, zugänglich. Die Sprache durfte nicht nach Konzern klingen. Sie musste so sprechen, dass auch Menschen ohne Online-Affinität den Kern verstanden.
Sätze wie «Oops, da haben wir es vermasselt — so machen wir es besser» oder «Wir reden wie Menschen, nicht wie Verträge» machten aus Regeln echte Haltung. Nicht weich. Menschlich.
Das Ergebnis
Guidelines wurden nicht nur erklärt. Sie wurden benutzbar. Die Marke bekam eine Stimme, die Mitarbeitende wiedererkennen konnten — und eine Form, die im Alltag nicht sofort auseinanderfiel.
Lifestyle-Flyer-Collection
Von Musikbühnen zu Freeski-Hängen
Zwischen Szene und Neugier liegt oft nur ein Flyer. Aber ein schlechter Flyer macht daraus schnell Werbung. Ein guter baut eine Brücke.
Für Lifestyle-Zielgruppen untersuchten wir, welche Bildwelten und typografischen Codes wirklich tragen. Daraus entstand eine Flyer-Kollektion, die informieren und ziehen sollte: starke Typografie, direkte Bildsprache, genug Energie für Musik, genug Kante für Freeski.
Die Assets funktionierten über Print, Social und Magazine hinweg. Nicht weil alles gleich aussah, sondern weil die visuelle Haltung wiedererkennbar blieb.
1996–heute
Meine Rolle: Freelance Designer
Leistungen: Visuelles Konzept, Grafik-Design, Asset-Adaption, Cross-Channel-Design, Produktion
Snowboard-Designs
Von Ride-Culture zu visuellen Statements
Im Sommer gestaltete ich Boards. Im Winter fuhr ich sie. Das war keine Trennung zwischen Arbeit und Leben — eher ein ständiger Materialtest mit Schnee unter den Kanten.
Fast 200 Snowboards für Marken wie F2, Duotone, Nidecker, Salomon, Crap, Clisade, Jester und Santa Cruz trugen meine Linien von der Skizze auf den Hang. Fashion-Prints für Chiemsee und Matador brachten dieselbe Energie von den Bergen in Textilien.
Design war hier keine Dekoration. Es war Haltung, Geschwindigkeit, Oberfläche, Kultur. Und manchmal auch die Frage, ob eine Linie bei Tempo noch lebt.
Design war nicht Schmuck. Es war meine Art, Snowboarding zu leben.
Duotone Snowboards
Wie Duotone Freeride in eine Haltung verwandelte
Mitte der 90er verlor F2 an Glaubwürdigkeit. Die US-Brands dominierten mit aggressiver Freestyle-Ästhetik, während viele europäische Linien zu brav wirkten. Wir suchten nach einer Sprache, die Jugendkultur ernst nahm und trotzdem nicht einfach kopierte.
Duotone wurde zur Antwort: Freeride als Ausdruck von Individualität, Kreativität und Selbstbewusstsein. Zusammenarbeiten mit Partnern wie Orthodox öffneten neue Spielräume im Backcountry. Aus einem Subbrand wurde ein international wahrgenommenes Snowboard-Label.
Der Kern blieb einfach: gefrorene Wellen surfen. Nur mit mehr Grafik, mehr Haltung und mehr Mut zur eigenen Linie.
Duotone zeigte, dass Design mehr sein kann als Stil. Es kann Kultur tragen.
1992–1997
Meine Rolle: Freelance Designer & Freeride Opinion Leader
Leistungen: Brand-Concept, Grafik-Design, Artwork